Bielersee

Die Verdauung

Verdauung Voraussetzung für ein Leben ohne Krankheit ist in erster Linie ein perfekt funktionierendes Verdauungssystem. Der Darm ist flächenmässig das ausgedehnteste Organsystem und zirka 80% des Immunsystems sind im oder unmittelbar um den Verdauungstrakt angesiedelt. Es ist also einleuchtend, dass eine nur halbwegs funktionierende Darmflora das Immunsystem schwächt und die Grundlage für die verschiedensten Krankheiten bildet. Die Dauer der Verdauung ist unterschiedlich. Sie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je nachdem was wir essen, verbleibt die Nahrung länger oder kürzer im Magen. Am schnellsten werden balaststoffreiche Kohlenhydrate verdaut. Gekochte Nahrung braucht mehr Zeit und am längsten braucht das Fett.

Bildlegende:
1 Mund, 2 Zunge, 3 Mundspeicheldrüse, 4 Rachen,
5 Speiseröhre, 6 Magen, 7 Leber, 8 Gallenblase,
9 Bauchspeicheldrüse, 10 Zwölffingerdarm, 11 Leerdarm,
12 Krummdarm, 13 Blinddarm 14 Grimmdarm,
15 Mastdarm, 16 After, 10-12 Dünndarm, 13-15 Dickdarm

Wenn wir unsere Gesundheit erhalten wollen, sollten wir einige Grundkenntnisse darüber haben, was eigentlich in unserem Körper passiert, wenn wir eine Nahrung schlucken.

Was passiert mit der Nahrung nach dem Schlucken?

Mund: Die Verdauung beginnt bereits im Mund mit Hilfe des im Speichel enthaltenen Enzyms Ptyalin. Dieses zerlegt Stärke in Zucker und spielt also beim Verzehr von Kohlenhydrat-Nahrung eine grosse Rolle. Wir sollten also die Speisen nicht sofort herunterschlucken, sondern gut kauen und mit unseren Zähnen zu einem Brei zermalen, welcher gut mit Speichel vermischt ist. Der Speichel sorgt auch für gute Gleiteigenschaften in der Speiseröhre.

Zunge: Die an der Oberfläche durch zahlreiche Papillen aufgerauhte Zunge erfüllt verschiedene Aufgaben, unter anderem Transport der Nahrungsbrocken, Tasten und Schmecken.

Mundspeicheldrüse: Es gibt 3 Speicheldrüsen, die sich alle ausserhalb des Mundraums befinden und ihr Sekret über Ausführungsgänge in den Mundraum abgeben. Sie produzieren den für die Verdauung der Speisen wichtige Speichel.

Speiseröhre: Nach einer guten Einspeichelung im Mundraum, wird der Nahrungsbrei durch Kontraktionen (Peristaltik) der Muskulatur in den Magen geführt. An beiden Enden der Speiseröhre befinden sich Schliessmuskeln, welche verhindern, dass Nahrungsbrocken den umgekehrten Weg nehmen können.

Magen: Der Magen ist ein mit Schleimhaut ausgekleideter und grösstenteils aus Muskulatur bestehender Nahrungsbehälter (Fassungsvermögen ca. 1.5 Liter), in welchem der Nahrungsbrei mit Magensaft vermischt und chemisch zerkleinert wird. Der Magensaft besteht aus dem Enzym Pepsin und Salzsäure. Das Pepsin spaltet lange Eiweissketten in kurze und hat somit eine wichtige Aufgabe bei der Verdauung von Eiweissnahrung. Die Salzsäure sorgt für die chemische Zersetzung und tötet Keime und Bakterien ab. Durch die Peristaltik wird der Nahrungsbrei Richtung Magenausgang in den Dünndarm geschoben.

Dünndarm: Im Dünndarm, dem längsten Teil (5-8 m) des Verdauungstraktes, wird die eigentliche Verdauungsarbeit geleistet. Er ist gegliedert in Zwölffingerdarm (L= 12 Fingerbreiten = 24 cm), Leerdarm (40% der Gesamtlänge) und Krummdarm ( 60% d.G.). Der im Magen angesäuerte Nahrungsbrei wird im Zwölffingerdarm wieder neutralisiert. Im gesamten Dünndarm werden Nahrungsbestandteile wie Kohlenhydrate, Eiweissstoffe, Fette, Salze, Wasser und Vitamine aufgenommen. Die Nahrungsbestandteile werden von der Darmwand resorbiert und in der Leber weiterverarbeitet. Über die Blutbahn gelangen sie zu den anderen Organen. Durch die Peristaltik wird der Nahrungsbrei weiter in den Dickdarm geschoben.

Dickdarm: Im Dickdarm (L= ca. 1.5 m) wird dem Nahrungsbrei Wasser entzogen. Durch die Peristaltik wird der immer fester werdende Nahrungsbrei weiter in den Mastdarm geschoben. Damit er gleitfähig bleibt, produziert der Darm laufend Schleim.

Mastdarm: Im Mastdarm befinden sich jetzt die unverdaulichen Teile der Nahrung. Durch die Dehnung des Darms, wird reflexartig der Stuhldrang ausgelöst.

Wie können wir die Verdauung verbessern?

Gutes Kauen der Nahrung, d.h. die Nahrungsmittel möglichst fein zwischen den Zähnen zermahlen.
Weniger gekochte und mehr rohe Nahrungsmittel essen. Ungefähr 80% der täglich eingenommenen Nahrung müsste roh sein und nur 20% gekocht.
Vermehrt auf die Kombination der Nahrungsmittel achten, d.h. Proteine und Kohlenhydrate nicht zu viel durcheinander mischen

Gute Kombinationen sind:
- Gemüse und Proteine
- Gemüse und Kohlehydrate

Schlechte Kombinationen sind:
- Kohlehydrate und Proteine
- Früchte und Proteine
- Früchte und Gemüse

Dass man Proteine nicht mit Kohlenhydraten vermischen sollte, hat einen wichtigen Grund: Das Enzym (Ptyalin), welches für die Verdauung von Kohlehydraten benötigt wird, wird im Speichel gebildet, und das Enzym (Pepsin), welches für die Verdauung der Proteine zuständig ist, jedoch im Magen. Wenn wir also Kohlenhydrate und Proteine miteinander vermischen, hat dies bestimmt eine schlechte Verdauung zur Folge. Die Kohlenhydrate werden nur teilweise oder überhaupt nicht verdaut und beginnen zu gären. Wie gut die Verdauung funktioniert, hängt auch ab von der Körperbewegung und der psychischen Verfassung.